Ein Brief an ein Meerschweinchen

letters-773306_1280Sorgenlos scheinst Du zu leben. Etwas futtern, etwas schlafen und immer ist jemand für Dich da. Die weite Ferne erleben, das kannst Du nicht. New York, Australien, selbst der nächste Wald ist für Dich sehr fern. Und doch, so scheint es, geht es Dir gut. Wie sehr ich Dich beneide, für dieses Leben.

Geld, wer brauch das schon, wenn man alles auch so bekommt. Und trotzdem wollte ich nicht mit Dir tauschen. So sehr ich mich um Dich kümmere und so sehr ich doch versuche, Dir ein schönes Leben zu geben. So wirst Du immer in einem Käfig bleiben. Du wirst immer von mir abhängig sein, solange Du bei mir bist.

Manchmal plagt mich das schlechte Gewissen, weil ich Dich in Gefangenschaft gekauft habe, wie ein Sklave, der mich belustigen soll. Und ich kaufe Dich, obwohl ich weiß das Du extra nur gezüchtet wurdest, um in Gefangenschaft zu leben. Manchmal tröste ich mich damit, das ich weiß, das es Dir bei mir trotzdem gut geht. Und ich tröste mich damit, das es Dir bei mir besser geht, als in Freiheit. Du weiß nicht was Freiheit bedeutet. Du weißt nicht, wie Du in Freiheit überleben sollst. Die Welt ist laut, hektisch und ein Chaos pur.

Du bist ein ängstliches Wesen. Du flüchtest lieber, als Dich der Gefahr zu stellen. Wie würde es Dir ergehen, wenn Du in Freiheit leben würdest. Eine Freiheit voller Gefahren, oder was wie Gefahr wirkt?

Und obwohl Du in Gefangenschaft lebst, gibst Du mir trotzdem soviel. Du gibst mir die Inspiration für diesen Brief, für diese Seite. Du gibst mir die innere Ruhe, wenn ich Dir Essen gebe und ich Dich pflegen darf. Du schenkst mir Dein Vertrauen, wenn ich an Deinen Käfig komme. Du bist dankbar und akzeptierst, wie ich bin. Und dann immer wieder diese Ruhe.

Ich sorge mich um meine Zukunft, ich ärgere mich über Dinge, die Du nie verstehen wirst. Ich kämpfe an allen Fronten und kann es Dir nicht erzählen. Du verstehst mich nicht. Du verstehst nicht, was auf der Welt los ist.

Du hast ein einfaches Leben und nimmst es mit viel Ruhe und Gelassenheit. Du sagst nicht viel, Du bist nur da. Du belehrst mich nicht und sagst mir nicht was ich zu tun hab. Du bist einfach nur bei mir. Du gibst mir die Kraft, die ich brauche.

Ich liebe Dich nicht, weil mein Herz ist von drei Frauen besetzt. Du kennst Sie alle. Die Liebe zu Dir ist eine andere, eine Art, die ihren Platz in meinem Herzen hat. Es ist eine tierische Liebe. Den Unterschied erklären? Das ist schwer. Doch ich will Dich nicht mehr vermissen. Ich bin immer für Dich da.

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