Kolumne: “Zum Wohle des Meerschweinchen” und Du sagst nichts mehr.

Es gibt immer wieder Streit rund um Meerschweinchen. Foren und Facebook werden zur Arena von Gladiatorenkämpfe wie im alten Rom. Manche werden verbal so blutig ausgetragen, das es am Ende nur Verlierer gibt. Das rhetorische K.O. wird erreicht durch eine Aussage “Zum Wohle des Meerschweinchen.” Wer will schon etwas gegen diesen Satz sagen? Natürlich wollen alle nur das Beste für ihre Meerschweinchen. Natürlich wollen alle darauf achten, das Meerschweinchen keinen Schaden nehmen. Warum hat man sonst Meerschweinchen? Mir ist niemand bekannt, welcher Meerschweinchen hat um sie zu quälen.

Doch der richtige Umgang mit Meerschweinchen will erlernt werden. Ich mach bis heute Fehler und ich hab bis heute auch immer wieder ein schlechtes Gewissen, wenn ich mehr tun möchte und es einfach nicht kann. Grenzen, die mir gesetzt werden, was allerdings manchmal auch besser ist. Es könnte “zum Wohle des Meerschweinchen” immer etwas mehr sein, egal wieviel man schon macht.

Vielen Menschen ist bewusst, das die Haltung von Meerschweinchen, eine Gefangenschaft im “goldenen Käfig” bedeutet. Schon das macht vielen ein schlechtes Gewissen. Sieht man von anderen, wieviel die möglich machen und was man dann selber quasi weniger macht… Ja, das löst nicht nur Begeisterung aus. Es macht auch ein schlechtes Gewissen den eigenen Tieren gegenüber. Da kann man 5 Meerschweinchen ein eigenes Zimmer mit 11 qm geben. Irgendwer kann und macht mehr.

Und wenn dann bei Meinungsverschiedenheiten das Argument kommt “Zum Wohle des Meerschweinchen”. Ganz ehrlich? Ich könnte kotzen. Diese Aussage schlägt alles, wird für die Rhetorik missbraucht und ist so falsch eingesetzt. Vielleicht habt ihr es an Euch selber erlebt. In mir selber erzeugt dies Aggressionen. Letztlich wird doch damit ausgedrückt: “Wenn Du nicht das machst, was ich Dir sage, dann schadest Du Deinem Meerschweinchen. Mach es so wie ich es will. Zum Wohle des Meerschweinchen.”

Es gibt Dinge, die bedürfen keiner Diskussion. Ein Meerschweinchen darf kein Schnitzel essen. Da gibt es nichts zu diskutieren. Wenn jemand resistent gegen Beratung ist und die Stimmung sich aufpeitscht, ändert es nichts an das Schnitzel-Verbot. Doch wer nicht dazu lernen will und auf stur stellt, macht schon einen Fehler. Wer mit Gewalt die Beratungsresistenz brechen will, macht auch einen Fehler, weil es wird nie klappen. Da bringt auch das K.O System “Zum Wohle des Meerschweinchen” nichts.

Aber wenn zwei verschiedene Ansichten und Wege, letztlich die gleiche positive Wirkung haben, dann geht es nur noch darum, das sich zwei streiten, wer den richtigen Weg geht. Es ist eben nicht zum Wohle des Meerschweinchen, wenn man dann das K.O. Argument verwendet.

Da wäre es hilfreich, wenn man sich gegenseitig zuhört und versteht, das beide das gleiche Ziel haben. Beide müssen nicht den Weg des anderen gut finden. Aber beide sollten akzeptieren, das deren Ziele identisch sind, der Effekt fast der Gleiche ist. Und dann stellt man den Streit ein und jeder geht seinen Weg.

Selbst die radikalen Extremisten unter den Meeri-Fans haben ja nicht grundsätzlich unrecht. Wenn diese sachlich und im freundschaftlichen Ton etwas erklären, ohne jemanden Bekehren zu wollen, dann kann man Informationen bekommen, die durchaus Sinn machen. Die radikalen Meerschweinchen Extremisten schießen halt oft über das Ziel hinaus. Sie akzeptieren nicht, das jeder Meeri-Halter individuelle Grenzen hat, die dieser nicht überschreiten kann, selbst wenn er wollte. Aber auch innerhalb der Grenzen kann was verändern werden, was positive Wirkung hat, ohne die Grenze zu überschreiten.

Jeder erweitert seinen Horizont, wenn er anderen zuhört und nachdenkt. Man könnte voneinander lernen. Und in dem Zusammenhang wäre “Zum Wohle des Meerschweinchen” wieder positiv.

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