Vergesellschaftung – Guter Rat ist nicht teuer

Vergesellschaftung bezeichnet allgemein die Verwandlung von etwas Ungesellschaftlichem (etwa Vereinzelten) in etwas Gesellschaftliches. (Wikipedia) Und das Thema ist sehr komplex und voller Schwierigkeiten bei Meerschweinchen. Das denken zumindest viele. Ich hab hier und da für mich neue Ideen aufgeschnappt, die schlüssig sind und funktionieren. Man kann viele sehr unterschiedliche Tipps und Tricks hören, aber nicht alles funktioniert. Das heißt nicht, das die Tipps falsch sind. Man muß nur den richtigen Tipp für die richtige Gruppe finden. Ein Puzzle. Das größte Problem bei der Vergesellschaftung ist der Mensch.

Bei mir ist es so, das egal welches Schweinchen ich zu meiner Gruppe setze, es grundsätzlich nur kurze Klarstellungen gibt, wem welches Haus gehört und wer der Boss im Stall ist. Das sind 2-3 Stunden und das wars. Da meine Gruppe sich seit einem Jahr verändert hat. Punker verstorben. Doro und Tiger sind neu dabei, wurden die Karten neu gemischt. Die Urlauber-Schweinchen, die zwei Wochen bei mir waren, hatten so 3 Tage ein Problem, aber auch das war relativ harmlos. Es gibt genug Ebenen und Häuschen, wo sich jeder aus dem Weg gehen kann.

Daraus wird klar. Man muß die einzelnen Charaktere seiner Gruppe sehr gut kennen. Und den Charakter der Neuzugänge sollte man ebenfalls kennen. Vorbesitzer wie auch Notstationen sehr gut Bescheid. Sie können meist den Charakter erklären. Geschichten erzählen. Zoohandlungen wissen meist wenig bis nichts über ihre Schweinchen. Eine sehr harmonische Gruppe kann gut mit neuen Schweinchen. Gerade wenn die Gruppe sehr gemischte Charaktere hat. Ich habe das Glück das eine Zicke, eine gemütliche Oma, zwei Wirbelwinde und zwei sehr friedliche und freundliche Schweinchen zusammen leben. Die gleichen sich gegenseitig aus. Der Neuzugang findet schnell Anschluß.

Bevor neue Schweinchen in die Gruppe kommen, sollte man natürlich sicher sein das genug Platz vorhanden ist. Wird es eng, gibt es Krieg. Auch genug Rückzugsmöglichkeiten sollten da sein. Sackgassen vermeiden, wäre zur Sicherheit empfehlenswert. Auch muß klar sein das sich zwei Böcke ungern ein Weibchen teilen. Das geht nicht gut. Lieber nur Böckchen oder nur Weibchen. Auch klappt es gut, wenn viele Weibchen auf sehr wenige Böckchen treffen. Da die Charaktere bei Meerschweinchen sehr unterschiedlich sind, gebe ich Euch keine generelle Regel auf dem Weg. Man kann oft sagen das zwei Weibchen pro Böckchen klappt, das ist aber keine Garantie.

In Gruppen gibt es sehr unterschiedliche Charaktere von Meerschweinchen. Das ängstliche Schweinchen, was einem Neuzugang aus dem Weg geht oder gleich permanent Angst hat. Es kommt hier auf die Geschichte des Schweinchens an und auf die Geduld vom Zweibein. Hier kann eine Vergesellschaftung klappen, aber wenn die Psychose des Schweinchens zu groß ist, wird es kritisch. Da kann man viele Tage warten und wenn sich nichts ändert, stellt sich die Frage, ob es nicht besser wäre, die Vergesellschaftung zu beenden. Besonders dann, wenn das ängstliche Schweinchen das fressen einstellt. Das gibt es.

Interessant sind Revierkämpfe. Besonders die Bosse einer Gruppe machen klar: “Der/Die Neue hat hier nichts zu sagen. Das mache ich deutlich.” Diese Kämpfe können sehr heftig werden. Auch blutig und brutal. Da wird Zweibein schnell panisch und trennt. Eingreifen ist bei der Vergesellschaftung jedoch selten ratsam, weil damit die Vergesellschaftung noch verlängert wird. Ein neutraler Boden ist eine Möglichkeit. Alle Schweinchen der Gruppe sowie die Neuzugänge auf eine Decke und gucken was passiert. Die wohl bessere Variante ist, das vor der Vergesellschaftung der Stall samt Häuschen gereinigt wird. Dann alle Häuschen umstellen, so das der Stall sich verändert. Nun kommen neue und alte Schweinchen in den Stall. Meist klappt das ganz gut. Die harten Kämpfe werden kleiner.

Auch generelle Zicken machen die Vergesellschaftung schwer. Die lassen den Neuzugang ungern ans Futter oder nur in die Nähe vom Haus. Der Neuzugang könnte ja was wegnehmen. Daher ist eine größere Verteilung von Futter und eine extra Portion durchaus sinnvoll. Die Zicke wird schon. Und solange es nicht schwer blutet, muß das Gefecht ausgetragen werden.

Es gibt aber noch eine andere ekelige Möglichkeit, welche die Vergesellschaftung vereinfacht. Man nehme Einstreu was voll mit Pipi der Gruppe ist. Damit reibt man das Fell vom neuen Schweinchen ein. Klingt wirklich ekelig. Der Effekt ist aber ein vertrauter Duft. Der Neuzugang wird leichter als Zugehörig wahrgenommen. Und bis dieses “Aroma” verflogen ist, ist das Kuckucks-Ei voll integriert.

Ein Neuzugang kann auch ein Glück für eine Gruppe werden. Ist die Gruppe eher unruhig und sind Zicken dabei, die immer wieder für Streit sorgen, so kann der richtige Neuzugang nach der Vergesellschaftung für Harmonie sorgen.

Viele Schweinchen-Besitzer empfehlen, die Schweinchen nicht sofort gemeinsam in einen Stall zu setzen. Sie sollen sich erstmal gewöhnen usw. Ich selber bin davon kein Freund. Nach einem Tüv setze ich ich neue Schweinchen direkt in die Gruppe. Da bin ich froh das ich mehrere Ebenen im Stall habe und so die Neuzugänge da hinsetze, wo es gerade ruhiger ist. Ich bleibe sehr lange dabei und beobachte. Funktioniert es nicht, dann wende ich Dinge an, die ihr hier gelesen habt. Ich greife erst ein, wenn es droht, wirklich blutig zu werden. Und da müsst ihr Nerven beweisen. Habt Geduld, erlaubt den Schweinchen, die Gefechte austragen zu können. Das brauchen die und gehört zu deren Wesen.

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